Farbpsychologie

“Die Farben beeinflussen unser Leben und unsere momentane Stimmung. Farben können eine heitere oder eine bedrückte Atmosphäre erzeugen. Für viele Menschen ist Farbe wichtiger als Form, wenn sie einen Gegenstand betrachten oder etwas erleben. Es wäre ideal, wenn man seinen Raum je nach Gemütslage, Tages- und Jahreszeit verändern könnte”, so Verner Panton.

“Grelle Farben haben mich immer fasziniert”

Wie kein anderer Designer wusste der Däne um die Wirkung von Farben auf die menschliche Psyche. Bereits während seines Studiums setzte er sich mit diesem Thema eingehend auseinander. Diese Faszination ließ ihn bis zu seinem Tode nicht mehr los. Die Farben des Regenbogens hatten es ihm besonders angetan. “So bin ich eben: Grelle Farben haben mich immer fasziniert. Aber sie müssen rein sein.” Diese “reinen” Farben spenden die größte Lebenskraft und Energie, wobei jede einzelne eine einzigartige Schwingungsfrequenz hat. Gerne kombinierte Panton einzelne Töne miteinander, dann nach Möglichkeit in ihrer natürlichen Abfolge.

Wärme und Geborgenheit

Farben können Wärme und Energie spenden. Räume in Orangetönen und Rottönen etwa, werden wärmer wahrgenommen. Gleichzeitig bewirken sie eine Verkleinerung des Raumes. Panton setzte diese so genannten “Uterusfarben” bewusst ein, um Wohnhöhlen voller Geborgenheit zu schaffen. So erzeugen seine Sitzmöbel, in diesen Farben gehalten, beim Platznehmen ein Raum-im-Raum-Gefühl. Gesteigert wird diese Behaglichkeit bisweilen durch Rückenlehnen, die bis über den Kopf reichen wie beispielsweise bei der Amoebe Highback und in ganz besonderem Maße beim Living Tower.

Werbeplattform Visiona

Ihren spektakulären Höhepunkt erreichte die Design Ära in den Visiona Ausstellungen, mit denen die Bayer AG Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger Furore machte. Ursprünglich hatte der Chemie Gigant das Rheinschiff „Loreley“ nur gechartert, um gleich neben der Kölner Möbelmesse mit einer Heimtextil Ausstellung Werbung für seine bi-elastische Kunstfaser Dralon zu machen. Doch nachdem der Däne Verner Panton (1926 – 1998) für das Jahr 1968 mit dem Ausstellungsarrangement beauftragt worden war, änderte sich die Perspektive auf einen Schlag: mit dem Engagement von futuristischen Wohninszenierungen, die ihrem Titel ‘Visiona’ alle Ehre machten.

Kalte Farben erzeugen Weite

Das Gegenteil bewirken die so genannten “Kalten Farben”. Die Blaugrün-Nuancen schaffen eine kühle Atmosphäre und Weite. So erscheinen Räume, in kühlen Tönen gestrichen, optisch größer. Während Panton blau bei seiner Raumgestaltung durchaus einsetzte, kam grün selten zum Zuge. Die Farbe, die eng verbunden ist mit der Natur, wurde in ihrer Reinheit, also als Smaragdgrün von dem Dänen eigentlich nur einmal eingesetzt: in einem Korridor der Visiona 2 Ausstellung.

Individuelle Unterschiede

Wie Farben wahrgenommen werden, hängt auch vom Kulturkreis ab. Asiaten beispielsweise empfinden Farben anders als Europäer. Doch ganz gleich welche Wirkung von ihnen ausgeht, eines gilt immer: “Es sitzt sich bequemer auf einem Stuhl, dessen Farbe man mag.” Verner Panton.

Farbe. Farbwahrnehmung. Gefühle.

Rot

“Daß rot den Puls beschleunigt, weiß doch jeder”, äußerte sich der Farbenspezialist Verner Panton einmal. Da ihre Wellen am langsamsten schwingen, ist rot tatsächlich die dichteste und schwerste aller Farben. Einerseits assoziieren wir Liebe und Leidenschaft mit rot, andererseits Gefahr. Ob der Ton positiv oder negativ empfunden wird, hängt mit seiner Intensität und individuellen Erfahrung jedes einzelnen zusammen. In jeden Fall erhöht rot die Körpertemperatur und heizt dem Blutkreislauf ein. Rot im Wohnzimmer regt zu Gesprächen an. Auch wenn er meistens in blau gekleidet war – Panton’s Lieblingsfarbe war rot.

Orange

Sie steht für Kreativität und Vitalität – orange kann sogar helfen, Hemmungen und unterdrückte Gefühle zu lösen. Gleichzeitig steht die Farbe des Genusses und des Vergnügens und fördert als solche auch den Humor. So kleidete Verner Panton die Kantine im Spiegel Redaktionshaus komplett in orange-rot.

Grün

Die Farbe, die eng verbunden ist mit der Natur, wurde in ihrer Reinheit, also als smaragdgrün von dem Dänen eigentlich nur einmal eingesetzt: in einem Verbindungsflur der Visiona 2. Hier wirkt der Gang zwischen zwei Räumen, mit grünen blasenartigen Wand- und Deckenvertäfelungen ausgekleidet, wie eine Neutralisationsschleuse. Grün steht nämlich auch für Entspannung, Ruhe und Ausgleich. Kullavej, das Ferienhaus der Panton’s war zunächst grasgrün, wurde später jedoch himmelbau umgestrichen.

BLAU

Blau am Arbeitsplatz fördert die Konzentration dient als geistige Inspiration. Das Meer ist blau und suggeriert Weite. Verner Panton kombinierte kalte Farben wie blau gerne mit etwas Warmen, ganz gleich ob durch eine andere Farbe oder durch Licht. Und noch etwas gilt es zu beachten: Verner Panton: “Im Alter wendet man sich eher den dunkleren und kälteren Farben zu.”

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Violett regt zur inneren Einkehr an und steht für Intuition und Hellsichtigkeit. Tatsächlich unterstützt violett die Einsicht und Wahrnehmung, hat also eine erhebende Wirkung. Das adelte sie wohl zur “Farbe der Könige”. Verner Panton setzte die Farbe gerne bei Leuchten wie der Ring Lamp oder dem Lichttisch Illumesa ein.

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Die Sonne ist gelb, Eidotter sind gelb und nicht zu vergessen Honig. Gelb eignet sich für die sonnigen Bereiche, die aufmuntern sollen, wie Fensterbereich oder Schlafzimmer. Doch gelb kann auch Negativ wirken. Ein Zuviel steht für Neid und kann Egoismus stärken. Daher empfiehlt es sich, gelb dezent einzusetzen.

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Schwarz schluckt das Licht, spendet damit also keine Energie, sondern saugt sie auf. So wie schwarze Kleidung kein Licht an die Haut lässt, wirkt sie sich auch bei der Raumgestaltung negativ aus. Mit weiss kombiniert und obendrein dezent eingesetzt, kann schwarz dagegen interessante Akzente setzen. Diesen Effekt machte Verner Panton sich bei der Gestaltung seiner Stoffe zu Nutze. Beste Beispiele: Geometri, VP I, VP III, VP VI und VP 7 oder Sinfonia white on black.

Weiss

“Ich mag kein weiss”, schreibt Verner Panton in seinem Buch Lidt om Farver / Notes on Colour. Weiss ist keine Farbe, sondern vielmehr die Abwesenheit von Farbe. Sie wird mit Unschuld und Reinheit assoziiert. Die Wirkung der Farbe kehrt sich in das Gegenteil, wird sie zu viel eingesetzt. Rein weiss gestaltete Räume wirken – trotz unterschiedlicher Materialien und Möbel – schnell leblos und steril. Und Panton fügte hinzu: “Die Welt wäre ein schönerer Ort ohne weiss. Weisse Farbe sollte besteuert werden.”